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Quote by Theodor W. Adorno
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SPIEGEL: Herr Professor, immer wieder wird nun auch ein pädagogisches Argument ins Feld geführt. Es gilt, so heißt es, Musik im Fernsehen führe den Konsumenten erst einmal an die Werke heran und rege ihn damit zum Konzert- oder Opernbesuch an. Was halten Sie von dieser musischen Therapie?

ADORNO: Sie ist falsch. Ich glaube nicht, daß es überhaupt pädagogisch einen Weg zum Wesentlichen dadurch gibt, daß man die Menschen zunächst aufs Unwesentliche konzentriert. Gerade diese Aufmerksamkeit, die sich an das Unwesentliche heftet, verfestigt sich, wird habituell und setzt sich dadurch der Erfahrung des Wesentlichen entgegen. Ich glaube überhaupt nicht, daß es in der Kunst sich um allmähliche Gewöhnungsprozesse handeln kann, die dann vom Falschen allmählich zum Richtigen führen. In der künstlerischen Erfahrung gibt es qualitative Sprünge und nicht einen solchen trüben Prozeß.

Theodor W. Adorno

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PersonTheodor W. Adorno
PublicationDer Spiegel
Edition9
Year1968